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Online-Arzt & Videosprechstunde

Akut krank: Videosprechstunde, 116117 oder Notruf 112?

Telemedizin Ratgeber 5 Min. Lesezeit

Bei akuten Beschwerden hängt der richtige Weg davon ab, wie dringend es ist: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117 oder Praxis und Videosprechstunde. Mit den Beispielen der 116117 und der Online-Ersteinschätzung.

Mann mit verbundenem Handgelenk wartet mit seiner Frau abends im Wartezimmer einer Bereitschaftspraxis

Kurz gesagt: Bei Lebensgefahr wählen Sie die 112. Wenn Sie nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, hilft die 116117 mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117.de). Während der Sprechzeiten ist die eigene Praxis der richtige Weg, oft auch per Video. Unsicher? Der Patienten-Navi der 116117 gibt nach einem Fragebogen eine Empfehlung, wie dringend es ist (116117.de).

Drei Stufen: Wie dringend ist es?

StufeBeispiele (laut 116117)Wohin
LebensgefahrBewusstlosigkeit, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, starke nicht stillbare Blutungen, Unfälle mit Verdacht auf schwere Verletzungen, Vergiftungen, starke Verbrennungen, Suizidversuche, akute und anhaltende Krampfanfälle112
Dringend, nicht lebensbedrohlichErkältung mit Fieber über 39 °C, anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme, starke Hals- oder Ohrenschmerzen, akute Harnwegsinfekte, akute Rücken- oder Bauchschmerzen116117 oder Bereitschaftspraxis, außerhalb der Sprechzeiten
Kann bis zur Sprechstunde wartenleichte Beschwerden, Fragen zu Befunden oder Medikamenteneigene Praxis, auch per Video

Quelle der Beispiele: 116117.de, Ärztlicher Bereitschaftsdienst. Die Liste ist nicht vollständig. Wenn Sie unsicher sind, ob es lebensbedrohlich ist, wählen Sie die 112.

Die Online-Ersteinschätzung der 116117

Der Patienten-Navi ist ein Fragebogen, mit dem Sie Ihre Beschwerden selbst einschätzen. Am Ende erhalten Sie eine Empfehlung, wie dringend sie behandelt werden sollten und an wen Sie sich wenden können. Diagnosen stellt er nicht (116117.de). In Baden-Württemberg ist eine solche Ersteinschätzung in docdirekt eingebaut; bei Bedarf werden Sie dort direkt an eine Telemedizinerin per Video oder Telefon vermittelt (KVBW).

Was eine Videosprechstunde bei akuten Beschwerden leisten kann

Kassenpraxen dürfen Videosprechstunden ohne Einschränkung auf bestimmte Krankheiten anbieten, auch für Patienten, die sie nicht kennen (KBV). Sinnvoll ist das vor allem,

  • um einzuschätzen, ob Sie heute noch in eine Praxis müssen,
  • bei Beschwerden, die die Ärztin sehen oder die Sie gut beschreiben können, etwa ein Hautausschlag,
  • für Fragen zu Medikamenten, die Sie schon nehmen.

Ob Video ausreicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Ist eine Untersuchung nötig, muss die Praxis eine Anschlussbehandlung sicherstellen: einen zeitnahen Termin vor Ort, eine Überweisung oder eine Einweisung ins Krankenhaus (KBV).

Seit Juli 2022 können Ärztinnen und Ärzte auch im organisierten Not- und Bereitschaftsdienst Videosprechstunden abrechnen (KBV). Ob es in Ihrer Region ein Videoangebot im Bereitschaftsdienst gibt, erfahren Sie unter 116117. Mehr dazu im Artikel Arzt nachts und am Wochenende.

Krankschreibung und Rezept bei akuten Beschwerden

So bereiten Sie sich vor

  • Beschwerden notieren: seit wann, wie stark, was hilft oder verschlimmert?
  • Fieber messen und mit Uhrzeit aufschreiben.
  • Medikamente, Vorerkrankungen und Allergien bereithalten.
  • Gesundheitskarte bereitlegen; bei einer neuen Praxis zeigen Sie sie in die Kamera.
  • Fragen: Wann soll ich mich wieder melden? Bei welchen Zeichen sofort in die Praxis oder die 112?

Für Kinder gelten eigene Warnzeichen; sie stehen im Artikel Online-Kinderarzt. Wenn Sie nur eine kurze Frage haben, finden Sie Wege dafür im Artikel Arzt online fragen.

Was kostet das?

Notruf 112 und 116117 sind kostenfrei. Bereitschaftsdienst und Videosprechstunde bei einer Kassenpraxis kosten gesetzlich Versicherte nichts (116117.de, TK). Privatversicherte erhalten eine Rechnung nach GOÄ mit Zuschlägen außerhalb der üblichen Zeiten; Beispiele im Artikel Was kostet ein Online-Arzt?.

Quellen

  • Patientenservice 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst (Beispiele, 112-Fälle); Patienten-Navi. Bereitschaftsdienst, Patienten-Navi
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Videosprechstunde (Indikationen, Anschlussbehandlung, Not- und Bereitschaftsdienst, Verordnungen). kbv.de
  • KV Baden-Württemberg: docdirekt. kvbawue.de
  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie, § 4. PDF
  • Techniker Krankenkasse: Online-Videosprechstunde für alle. tk.de

Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Wann rufe ich die 112 und wann die 116117?

Die 112 bei Lebensgefahr, etwa Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen, starken Blutungen, Vergiftungen oder anhaltenden Krampfanfällen. Die 116117, wenn Sie nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, zum Beispiel bei einer Erkältung mit Fieber über 39 Grad, akuten Harnwegsinfekten oder akuten Rückenschmerzen.

Wofür reicht eine Videosprechstunde bei akuten Beschwerden?

Für eine Ersteinschätzung, für Beschwerden, die man sehen oder gut beschreiben kann, und für Fragen zu Medikamenten. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob Video reicht. Braucht es eine Untersuchung, muss die Praxis eine Anschlussbehandlung sicherstellen, also einen Termin vor Ort, eine Überweisung oder eine Einweisung.

Gibt es eine Online-Ersteinschätzung?

Ja, den Patienten-Navi der 116117. Sie beantworten Fragen zu Ihren Beschwerden und bekommen eine Empfehlung, wie dringend sie behandelt werden sollten und an wen Sie sich wenden können. Diagnosen stellt der Patienten-Navi nicht. In lebensbedrohlichen Situationen wählen Sie sofort die 112.

Kann ich mich bei akuten Beschwerden per Video krankschreiben lassen?

Ja, wenn die Erkrankung eine Beurteilung per Video zulässt: für bis zu 3 Kalendertage, wenn die Praxis Sie nicht kennt, bis zu 7, wenn sie Sie kennt. Einen Anspruch darauf gibt es nicht.

Was kostet die Hilfe bei akuten Beschwerden?

Notruf 112 und 116117 sind kostenfrei. Bereitschaftsdienst und Videosprechstunde bei einer Kassenpraxis kosten gesetzlich Versicherte nichts. Privatversicherte erhalten eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte, abends, nachts und am Wochenende mit Zuschlägen.