Was kostet ein Online-Arzt? Telemedizin-Kosten und was die Krankenkasse zahlt
Für gesetzlich Versicherte ist die Videosprechstunde bei einer Kassenpraxis kostenlos. Wann trotzdem Kosten anfallen, was Privatversicherte und Selbstzahler zahlen und was ein Privatrezept bedeutet.
Inhaltsverzeichnis · 8 Abschnitte

Kurz gesagt: Für gesetzlich Versicherte kostet eine Videosprechstunde bei einer Kassenpraxis nichts. Die Praxis rechnet sie wie einen Besuch vor Ort mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab, „für Sie entstehen keine zusätzlichen Kosten“ (Techniker Krankenkasse). Bezahlen müssen Sie bei Selbstzahlerleistungen, etwa einem Rezept nach Online-Fragebogen, und bei einem Privatrezept. Privatversicherte erhalten eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Die Kosten auf einen Blick
| Situation | Was Sie zahlen |
|---|---|
| Gesetzlich versichert, Videosprechstunde bei einer Kassenpraxis | nichts, Abrechnung über die Gesundheitskarte |
| Gesetzlich versichert, Kassenrezept aus der Videosprechstunde | wie in der Praxis: die übliche Zuzahlung in der Apotheke |
| Gesetzlich versichert, Selbstzahlerleistung (z. B. Rezept per Fragebogen) | Behandlungsgebühr des Anbieters plus Medikament |
| Privatrezept (blaues Rezept) | Medikament in der Apotheke selbst bezahlen |
| Privat versichert | Rechnung nach GOÄ, Erstattung je nach Tarif |
Die Beispiele mit Preisen weiter unten stammen von den Anbieterseiten, Stand Oktober 2026. Preise ändern sich; maßgeblich ist, was der Anbieter vor der Buchung anzeigt.
Gesetzlich versichert: Wann die Videosprechstunde kostenlos ist
Die Videosprechstunde ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Fast alle Arztgruppen dürfen sie anbieten, ohne Einschränkung auf bestimmte Krankheiten, und auch für Patientinnen und Patienten, die vorher noch nicht in der Praxis waren (KBV). Abgerechnet wird wie beim Praxisbesuch. Damit die Praxis Ihre Versichertendaten erfassen kann, halten Sie bei einem ersten Kontakt Ihre Gesundheitskarte in die Kamera.
Kostenlos ist die Videosprechstunde also immer dann, wenn eine Praxis mit Kassenzulassung sie als Kassenleistung erbringt. Das gilt auch für Plattformen, über die Kassenärztinnen und -ärzte Videosprechstunden anbieten. TeleClinic schreibt zum Beispiel, dass alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Online-Arztbesuch übernehmen (TeleClinic, Preismodell). Auch viele Krankenkassen bieten Videosprechstunden in ihrer eigenen App an, Barmer und AOK Rheinland/Hamburg ausdrücklich kostenlos; mehr dazu im Artikel Online-Arzt der Krankenkasse.
Was aus der Videosprechstunde folgt, kostet so viel wie nach einem Praxisbesuch:
- Kassenrezept: Das E-Rezept lösen Sie mit Gesundheitskarte, App oder Ausdruck ein. Sie zahlen die übliche Zuzahlung in der Apotheke.
- Krankschreibung: Die Praxis übermittelt die AU elektronisch an Ihre Krankenkasse. Dafür zahlen Sie nichts. Eine Krankschreibung per Video ist bei unbekannten Patienten für bis zu 3 Tage möglich, bei bekannten für bis zu 7 Tage (KBV). Mehr dazu im Artikel Krankschreibung per Video.
- App auf Rezept (DiGA): Verordnet die Ärztin oder der Arzt eine digitale Gesundheitsanwendung, zahlt die Krankenkasse (§ 33a SGB V). Wie das abläuft, steht im Artikel über DiGA.
Bei Brustschmerzen, Atemnot oder anderen lebensbedrohlichen Beschwerden ist die Videosprechstunde nicht der richtige Weg: Dann gilt die 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, auch dieser Anruf ist kostenfrei (116117.de).
Wann gesetzlich Versicherte doch bezahlen
Selbstzahlerleistungen
Manche Angebote sind keine Kassenleistung, auch wenn eine Ärztin oder ein Arzt beteiligt ist. TeleClinic führt zum Beispiel „Zusatzleistungen als Selbstzahler“ auf, bei denen gesetzlich Versicherte die Kosten selbst tragen (Stand Oktober 2026, TeleClinic):
| Leistung bei TeleClinic | Preis |
|---|---|
| Pillenrezept per Fragebogen | ab 9,98 € |
| Behandlung bei Haarausfall | ab 18,30 € |
| Foto-Diagnose bei Hautproblemen | ab 24,77 € |
| Adipositas-Therapie | ab 37,54 € |
Am Wochenende können laut Anbieter Zuschläge hinzukommen.
Privatrezept
Stellt die Ärztin oder der Arzt ein Privatrezept aus, bezahlen Sie das Medikament zunächst selbst in der Apotheke. Das gilt auch für gesetzlich Versicherte, wenn sie ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel bekommen, das die Krankenkasse nicht übernimmt, zum Beispiel eine Abnehmspritze zur Gewichtsabnahme. Ein Privatrezept ist drei Monate gültig (Verbraucherzentrale).
Online-Arztpraxen, die nur mit Fragebogen arbeiten, stellen meist Privatrezepte aus. Bei ZAVA kostet ein Folgerezept je nach Service zwischen 9,99 und 33,99 Euro Behandlungsgebühr, das Medikament kommt dazu (Stand Oktober 2026, ZAVA). Ob ein Rezept allein nach Fragebogen zulässig ist, ist umstritten. Mehr dazu im Artikel Folgerezept per Telemedizin.
Grünes Rezept
Für Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind, gibt es das grüne Rezept. Es ist eine Empfehlung; das Mittel zahlen Sie selbst, egal wie Sie versichert sind (Verbraucherzentrale).
Privat versichert: Rechnung nach GOÄ
Privatversicherte erhalten nach dem Online-Arztbesuch eine Rechnung, die sie bei ihrer Versicherung einreichen. Die Ärztin oder der Arzt rechnet nach der Gebührenordnung für Ärzte ab. Wie viel erstattet wird, hängt vom Tarif ab.
Ein Beispiel, wie sich der Betrag zusammensetzt (TeleClinic, Stand Oktober 2026, Preismodell):
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Arztgespräch | 38,87 € |
| Arztbrief, Rezept, AU-Bescheinigung | inklusive |
| Zuschlag 6 bis 8 Uhr und 20 bis 22 Uhr | 10,49 € |
| Zuschlag 22 bis 6 Uhr | 18,65 € |
| Zuschlag Samstag | 6,41 € |
| Zuschlag Sonntag oder Feiertag | 12,82 € |
Ein Gespräch am Sonntagabend um 21 Uhr kostet nach dieser Tabelle 38,87 + 10,49 + 12,82 = 62,18 Euro. Andere Anbieter und Praxen können andere Beträge berechnen, weil die GOÄ Spielräume lässt.
Woran Sie seriöse Preisangaben erkennen
- Kassenleistung oder Selbstzahler? Fragen Sie vor der Buchung, ob die Praxis über die Gesundheitskarte abrechnet. Steht eine Gebühr im Bestellprozess, ist es keine Kassenleistung.
- Kassenrezept oder Privatrezept? Bei einem Privatrezept zahlen Sie das Medikament selbst. Das kann teurer sein als die Behandlungsgebühr.
- Rechnung statt Pauschale: Ärztliche Privatleistungen werden nach GOÄ abgerechnet. Verlangen Sie eine Rechnung, keine reine Quittung.
- Zuschläge: Nachts, am Wochenende und an Feiertagen kann es teurer werden.
- Versandkosten: Lassen Sie ein Medikament liefern, kommen bei manchen Apotheken Versandkosten dazu. Wie Versandapotheken arbeiten, steht im Artikel Online-Apotheke und E-Rezept.
Krankheitskosten und Steuer
Selbst bezahlte Behandlungskosten können als außergewöhnliche Belastung zählen. Das Einkommensteuergesetz zieht dabei nur den Teil ab, der über Ihrer „zumutbaren Belastung“ liegt (§ 33 EStG). Wie hoch diese Grenze ist, hängt von Einkommen, Familienstand und Kinderzahl ab. Bei kleinen Beträgen bleibt es deshalb oft ohne Steuereffekt. Bewahren Sie Rechnungen auf und klären Sie Einzelfragen mit dem Finanzamt oder einer Steuerberatung.
Wie geht es weiter?
- Wie eine Videosprechstunde abläuft und was Sie brauchen: Online-Arztberatung: Ablauf
- Welche Regeln für die Fernbehandlung gelten: Fernbehandlung: rechtliche Grundlagen
- Welche Anbieter es gibt und wie sie abrechnen: Telemedizin-Anbieter im Überblick
- Wer zahlt, wenn Sie im Ausland krank werden: Krank im Urlaub
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Videosprechstunde (Abrechnung, Krankschreibung, Verordnungen). kbv.de
- Techniker Krankenkasse: Online-Videosprechstunde für alle, Abschnitt „Wer übernimmt die Kosten?“. tk.de
- TeleClinic: Preismodell, Kostenübernahme, Selbstzahlerleistungen und GOÄ-Beträge, abgerufen am 19.10.2026. teleclinic.com
- ZAVA: Folgerezept anfordern, Preisspanne, abgerufen am 19.10.2026. zavamed.com
- Verbraucherzentrale: Wie lange ist ein Rezept gültig? Auf die Farbe kommt es an (Stand 24.10.2023). verbraucherzentrale.de
- Sozialgesetzbuch V, § 33a (digitale Gesundheitsanwendungen). gesetze-im-internet.de
- Einkommensteuergesetz, § 33 (außergewöhnliche Belastungen). gesetze-im-internet.de
- Patientenservice 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst. 116117.de
Stand: Oktober 2026. Anbieterpreise ändern sich; maßgeblich ist der Preis, den der Anbieter vor der Buchung nennt.
Häufige Fragen
Was kostet eine Videosprechstunde für gesetzlich Versicherte?
Bei einer Praxis, die mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnet, nichts. Die Videosprechstunde ist eine Kassenleistung; die Ärztin oder der Arzt rechnet sie wie einen Praxisbesuch über die Gesundheitskarte ab. Kosten entstehen erst bei Selbstzahlerleistungen oder bei einem Privatrezept.
Was kostet ein Online-Arzt für Privatversicherte?
Privatversicherte bekommen eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). TeleClinic nennt für ein Arztgespräch 38,87 Euro, dazu Zuschläge abends, nachts und am Wochenende (Stand Oktober 2026). Ob und wie viel die Versicherung erstattet, hängt vom Tarif ab.
Warum zahle ich trotz gesetzlicher Versicherung beim Online-Arzt?
Meist, weil es sich um eine Selbstzahlerleistung handelt, etwa ein Rezept nach Online-Fragebogen, oder weil ein Privatrezept ausgestellt wird. Bei einem Privatrezept zahlen Sie das Medikament in der Apotheke selbst, auch wenn Sie gesetzlich versichert sind.
Was kostet ein Folgerezept online?
Bei Kassenpraxen, die Sie kennen, ist ein Folgerezept über die Gesundheitskarte möglich, ohne zusätzliche Gebühr. Online-Arztpraxen wie ZAVA stellen Folgerezepte als Privatrezept aus und berechnen dafür eine Behandlungsgebühr, bei ZAVA zwischen 9,99 und 33,99 Euro (Stand Oktober 2026); das Medikament kommt dazu.
Kann ich Kosten für einen Online-Arzt von der Steuer absetzen?
Selbst bezahlte Krankheitskosten können außergewöhnliche Belastungen nach § 33 Einkommensteuergesetz sein. Sie wirken sich aber nur auf den Teil aus, der über Ihrer zumutbaren Belastung liegt. Bewahren Sie Rechnungen auf und klären Sie Einzelfragen mit dem Finanzamt oder einer Steuerberatung.
Ähnliche Artikel

Telemedizin-Anbieter in Deutschland: Wer was anbietet und was es kostet
Kassenpraxen mit Video, Angebote der Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen, Plattformen wie TeleClinic und Online-Arztpraxen wie ZAVA: was sie leisten, was sie kosten und welche Dienste es nicht mehr gibt.

Fernbehandlung in Deutschland: Was Ärzte per Video und Telefon dürfen
Seit 2018 ist die ausschließliche Fernbehandlung im Einzelfall erlaubt. Was die Berufsordnung verlangt, wo Werbung verboten bleibt, was für Krankschreibung und Rezept gilt und welche Rechte Sie als Patient haben.

Cannabis-Rezept online: Was heute erlaubt ist und was sich mit dem MedCanG ändern soll
Medizinisches Cannabis darf heute nach einer Videosprechstunde verschrieben und per Versand geliefert werden. Ein Gesetzentwurf will Erstverschreibungen nur noch nach persönlichem Arztkontakt erlauben und den Versand von Blüten verbieten. Was gilt, wer zahlt und wie der Stand ist.