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Kosten & Recht

Telemedizin-Anbieter in Deutschland: Wer was anbietet und was es kostet

Telemedizin Ratgeber 7 Min. Lesezeit

Kassenpraxen mit Video, Angebote der Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen, Plattformen wie TeleClinic und Online-Arztpraxen wie ZAVA: was sie leisten, was sie kosten und welche Dienste es nicht mehr gibt.

Paar sitzt abends am Esstisch, sie hält ein Tablet, er zeigt auf etwas darauf

Kurz gesagt: Wir haben die Dienste nicht selbst getestet und küren keinen Testsieger. Dieser Überblick nennt, was die Anbieter selbst über Leistungen und Preise angeben, Stand Oktober 2026. Für gesetzlich Versicherte ist die eigene Praxis mit Videosprechstunde meist der beste erste Weg; sie kostet nichts und kennt Ihre Vorgeschichte. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117. Plattformen wie TeleClinic vermitteln Videosprechstunden rund um die Uhr, Online-Arztpraxen wie ZAVA arbeiten mit Fragebogen und Privatrezept. Kry und Fernarzt bieten in Deutschland keine Online-Sprechstunden mehr an.

Die Arten von Anbietern

ArtBeispieleKosten für gesetzlich VersicherteRezept und AU
Eigene Kassenpraxis per VideoHaus- und Fachärzte mit zertifiziertem VideodienstkeineE-Rezept; AU bis 7 Tage bei bekannten Patienten
Kassenärztliche Vereinigung116117, docdirekt (Baden-Württemberg)keineje nach Fall
KrankenkasseTK-ÄrzteZentrum und TK-Doc-Appfür Versicherte keinelaut TK Rezept und Krankschreibung per App
Plattform mit KassenärztenTeleCliniclaut Anbieter keine; Selbstzahlerleistungen extranach ärztlichem Ermessen
Online-Arztpraxis mit FragebogenZAVABehandlungsgebühr plus Medikamentmeist Privatrezept

Für alle gilt: Ob ein Rezept oder eine Krankschreibung ausgestellt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Die Regeln dafür erklären die Artikel Krankschreibung per Video und Online-Rezept.

Eigene Praxis und Kassenärztliche Vereinigung

Kassenpraxen dürfen Videosprechstunden ohne Einschränkung auf bestimmte Krankheiten anbieten, auch für neue Patienten. Sie nutzen einen zertifizierten, Ende-zu-Ende-verschlüsselten Videodienst und müssen eine Anschlussbehandlung sicherstellen (KBV). Für gesetzlich Versicherte entstehen keine zusätzlichen Kosten (TK).

Der Patientenservice 116117 ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar und vermittelt außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117.de). Manche Kassenärztlichen Vereinigungen bieten zusätzlich Videosprechstunden an, etwa docdirekt in Baden-Württemberg: rund um die Uhr online, mit digitaler Ersteinschätzung und Vermittlung an Telemediziner per Video oder Telefon (KVBW). Mehr dazu im Artikel Arzt nachts und am Wochenende.

Angebote von Krankenkassen

Viele Krankenkassen haben eigene Videosprechstunden in ihrer App, zum Beispiel die TK mit TK-Doc, die Barmer mit dem Teledoktor, die DAK mit TeleClinic und die AOK Rheinland/Hamburg mit Mein AOK-Doc. Was die einzelnen Angebote können, ob es Rezept und Krankschreibung gibt und welche Voraussetzungen gelten, steht im Artikel Online-Arzt der Krankenkasse. Wo Sie eine medizinische Frage auch ohne Termin stellen können, steht im Artikel Arzt online fragen.

TeleClinic

TeleClinic beschreibt sich als Service-Plattform, die Patienten Zugang zu ärztlichen Videosprechstunden über ein zertifiziertes Videomodul gibt. TeleClinic selbst ist nach eigener Angabe kein Arzt, kein MVZ und keine Apotheke (TeleClinic).

Angaben des Anbieters (abgerufen am 19.10.2026, Startseite, Preismodell):

  • Videosprechstunde rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen.
  • Gesetzlich Versicherte: Laut TeleClinic übernehmen alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Wer an der hausarztzentrierten Versorgung teilnimmt, braucht eine Überweisung vom Hausarzt.
  • Privatversicherte: Rechnung nach GOÄ, Arztgespräch 38,87 Euro, Zuschläge 10,49 Euro (6–8 und 20–22 Uhr), 18,65 Euro (22–6 Uhr), 6,41 Euro (samstags), 12,82 Euro (sonn- und feiertags).
  • Selbstzahlerleistungen auch für gesetzlich Versicherte: Pillenrezept per Fragebogen ab 9,98 Euro, Haarausfall ab 18,30 Euro, Foto-Diagnose bei Hautproblemen ab 24,77 Euro, Adipositas-Therapie ab 37,54 Euro.
  • Rezepte als Kassen-, Privat- oder Empfehlungsrezept, nach ärztlichem Ermessen.

Rechtlicher Hinweis: Das Sozialgericht München hat am 29. April 2025 auf Klage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns Teile des Angebots in der Kassenversorgung beanstandet (Az. S 56 KA 325/22). Laut den Leitsätzen verstößt die Führung einer zentralen digitalen Patientenakte durch den Videodienst gegen die ärztliche Dokumentationspflicht; der Werbespruch „Tschüss Wartezimmer. Hallo Online-Arzt. Arztgespräch, Privatrezept und Krankschreibung in Minuten.“ sei irreführend, weil er eine umfassende Versorgung ohne persönlichen Arztkontakt suggeriere; und ein Nutzungsentgelt, das sich nach dem ärztlichen Honorar richtet, sei eine unzulässige Zuweisung von Patienten gegen Entgelt (Urteil auf gesetze-bayern.de). Im Juli 2025 war das Urteil nicht rechtskräftig (KV Bayerns, Rundschreiben vom 10.07.2025). Einen neueren Stand haben wir nicht gefunden.

ZAVA

ZAVA ist eine Online-Arztpraxis, die Behandlungen über medizinische Fragebögen anbietet. Angaben des Anbieters zum Folgerezept (abgerufen am 19.10.2026, ZAVA):

  • Ärztinnen und Ärzte prüfen anhand eines Fragebogens, ob das Medikament weiter geeignet ist.
  • Sie erhalten ein Privatrezept; die Behandlungsgebühr liegt je nach Service zwischen 9,99 und 33,99 Euro, das Medikament kommt dazu.
  • Abholung in einer von mehr als 6.500 Apotheken oder Lieferung in 1 bis 3 Werktagen; die Arzneimittel können von einer Apotheke in den Niederlanden bezogen werden.
  • Telefonisch erreichbar montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr.

Rezepte allein nach Fragebogen sind rechtlich umstritten. Das OLG Hamburg hat 2023 eine Plattform gestoppt, die Folgerezepte ohne vorherige Behandlung ausstellen ließ (5 U 93/22). Mehr dazu im Artikel Folgerezept per Telemedizin.

Noch strenger ist die Lage bei Krankschreibungen nur per Fragebogen, wie sie einige Plattformen anbieten: Die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie verlangt eine ärztliche Untersuchung, und das Bundesgesundheitsministerium hat im Juli 2026 angekündigt, solche Krankschreibungen zu unterbinden. Details stehen im Artikel Krankschreibung online.

Dienste, die es nicht mehr gibt

  • Kry: „Ab 1. Dezember 2022 stellen wir unseren Service in Deutschland ein“, steht auf der deutschen Website (kry.de).
  • Fernarzt: Seit Dezember 2023 bietet Fernarzt keine Online-Rezepte per Fragebogen, keine Videosprechstunden und keine Selbsttests mehr an. Weiter gibt es einen Long-COVID-Service für Versicherte einzelner Krankenkassen (Fernarzt, FAQ).

Wenn Sie in älteren Ratgebern noch Preise oder Sprechzeiten dieser Dienste lesen, sind sie veraltet.

Psychotherapie und Apps auf Rezept

Für psychische Beschwerden gibt es eigene Wege: Psychotherapie per Video bei Kassenpsychotherapeuten und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf Rezept. Diese Angebote stellen wir in den Artikeln Online-Psychotherapie und Apps auf Rezept (DiGA) vor.

So wählen Sie einen Anbieter

  1. Zuerst die eigene Praxis fragen. Sie kennt Ihre Vorgeschichte; per Video sind dann längere Krankschreibungen und Folgerezepte möglich.
  2. Kassen- oder Privatleistung? Fragen Sie vor der Buchung, ob über die Gesundheitskarte abgerechnet wird. Eine Gebühr im Bestellprozess heißt: Selbstzahlerleistung.
  3. Wer behandelt? Seriöse Anbieter nennen Ärztinnen und Ärzte mit Namen und Fachrichtung.
  4. Gespräch statt nur Fragebogen, besonders bei verschreibungspflichtigen Medikamenten.
  5. Datenschutz: Kassenpraxen müssen zertifizierte Videodienste nutzen. Mehr im Artikel Datenschutz in der Telemedizin.
  6. Notfall: Kein Anbieter ersetzt die 112 bei Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit.

Was die einzelnen Wege kosten, steht im Artikel Was kostet ein Online-Arzt?.

Quellen

  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Videosprechstunde. kbv.de
  • Techniker Krankenkasse: Online-Videosprechstunde für alle; TK-Doc-App. Videosprechstunde, TK-Doc
  • Patientenservice 116117. 116117.de
  • KV Baden-Württemberg: docdirekt. kvbawue.de
  • TeleClinic: Startseite und Preismodell, abgerufen am 19.10.2026. teleclinic.com, Preismodell
  • ZAVA: Folgerezept anfordern, abgerufen am 19.10.2026. zavamed.com
  • Kry: Hinweis zur Einstellung in Deutschland. kry.de
  • Fernarzt: FAQ. fernarzt.com
  • SG München, Endurteil vom 29.04.2025, S 56 KA 325/22. gesetze-bayern.de
  • KV Bayerns: Rundschreiben vom 10.07.2025 zum Urteil. kvb.de
  • OLG Hamburg, Hinweisbeschluss vom 15.08.2023, 5 U 93/22. dejure.org

Stand: Oktober 2026. Leistungen und Preise der Anbieter ändern sich; maßgeblich ist, was der Anbieter vor der Buchung angibt.

Häufige Fragen

Welcher Telemedizin-Anbieter ist der beste?

Das können wir nicht sagen, weil wir die Dienste nicht selbst getestet haben. Für gesetzlich Versicherte ist die eigene Praxis mit Videosprechstunde meist die beste Wahl, weil sie Ihre Vorgeschichte kennt und längere Krankschreibungen und Folgerezepte möglich sind. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117. Für bestimmte Anliegen kommen Plattformen oder Angebote Ihrer Krankenkasse infrage.

Gibt es Kry und Fernarzt noch?

Nicht in der früheren Form. Kry hat seinen Dienst in Deutschland zum 1. Dezember 2022 eingestellt. Fernarzt bietet seit Dezember 2023 keine Online-Rezepte per Fragebogen und keine Videosprechstunden mehr an, sondern nur noch einen Long-COVID-Service für Versicherte einzelner Krankenkassen.

Was kostet TeleClinic?

Für gesetzlich Versicherte übernehmen laut TeleClinic alle Krankenkassen die Kosten für den Online-Arztbesuch. Privatversicherte bekommen eine Rechnung nach GOÄ, zum Beispiel 38,87 Euro für das Arztgespräch plus Zuschläge abends, nachts und am Wochenende. Einige Leistungen sind auch für gesetzlich Versicherte Selbstzahlerleistungen, etwa das Pillenrezept per Fragebogen ab 9,98 Euro (Stand Oktober 2026).

Was hat das Sozialgericht München zu TeleClinic entschieden?

Das SG München hat am 29. April 2025 auf Klage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns Teile des TeleClinic-Angebots in der Kassenversorgung beanstandet, unter anderem den Werbespruch 'Tschüss Wartezimmer. Hallo Online-Arzt.', eine zentrale Dokumentenablage beim Videodienst und ein honorarabhängiges Nutzungsentgelt (S 56 KA 325/22). Im Juli 2025 war das Urteil nicht rechtskräftig.

Ist TeleClinic noch erlaubt?

Ja, TeleClinic ist nutzbar. Das Sozialgericht München hat 2025 auf Klage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns einzelne Punkte beanstandet, etwa einen Werbespruch und die zentrale Dokumentenablage, aber die Plattform nicht verboten. Das Urteil betraf die Kassenversorgung in Bayern und war im Juli 2025 nicht rechtskräftig.

Sind Krankschreibungen nur per Fragebogen erlaubt?

Nein. Die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie verlangt eine ärztliche Untersuchung, persönlich, per Video oder unter Bedingungen per Telefon. Das Landesarbeitsgericht Hamm hat 2025 die Kündigung eines Arbeitnehmers bestätigt, der eine AU nur nach Online-Fragebogen vorgelegt hatte. Das Bundesgesundheitsministerium will solche Krankschreibungen ganz unterbinden.

Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?

Ärztinnen und Ärzte mit Namen und Approbation, klare Angaben, ob Kassen- oder Privatleistung, Preise vor der Buchung, Identitätsprüfung, ein Gespräch per Video oder Telefon statt nur Fragebogen und ein Hinweis, was passiert, wenn Video nicht ausreicht. Versprechen wie 'Rezept garantiert' sind ein Warnsignal.