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Digitale Gesundheit

Datenschutz in der Telemedizin: Wie Ihre Gesundheitsdaten geschützt sind und was Sie selbst tun können

Telemedizin Ratgeber 6 Min. Lesezeit

Gesundheitsdaten sind nach der DSGVO besonders geschützt, Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht, und Kassenpraxen müssen zertifizierte, verschlüsselte Videodienste nutzen. Was das bedeutet, welche Rechte Sie haben und worauf Sie bei Apps und Plattformen achten.

Blick von oben auf eine Frau, die abends am Schreibtisch auf dem Laptop tippt, neben ihr schläft eine Katze

Kurz gesagt: Gesundheitsdaten gehören nach der Datenschutz-Grundverordnung zu den besonders geschützten Daten (Art. 9 DSGVO). Ärztinnen und Ärzte unterliegen auch per Video der Schweigepflicht (§ 203 StGB). Kassenpraxen dürfen nur zertifizierte Videodienste nutzen, die Ende-zu-Ende verschlüsseln und werbefrei sind (KBV). Sie haben ein Recht auf Einsicht in Ihre Behandlungsakte und auf Auskunft bei jedem Anbieter. Bei Apps und Plattformen außerhalb dieser Regeln lohnt ein genauer Blick.

Die rechtlichen Grundlagen

RegelWas sie bedeutet
Art. 9 DSGVOGesundheitsdaten sind besondere Kategorien personenbezogener Daten; ihre Verarbeitung ist grundsätzlich untersagt, außer in den dort genannten Fällen, zum Beispiel für die Gesundheitsversorgung oder mit Einwilligung
§ 203 StGBÄrztinnen, Ärzte, Apotheker und andere Heilberufe dürfen anvertraute Geheimnisse nicht unbefugt offenbaren
§ 630f, § 630g BGBDie Praxis dokumentiert die Behandlung; Sie dürfen die Akte einsehen und Kopien verlangen
Art. 15 DSGVOSie dürfen von jedem Verantwortlichen Auskunft verlangen, ob und welche Daten über Sie verarbeitet werden
Anlage 31b BMV-ÄAnforderungen an Videodienste für Kassenpraxen: Zertifizierung, IT-Sicherheit, Datenschutz

Quellen: DSGVO, § 203 StGB, § 630f BGB, § 630g BGB, KBV.

Videosprechstunde bei Kassenpraxen

Für Videosprechstunden in der gesetzlichen Krankenversicherung gelten diese Anforderungen (KBV):

  • Die Praxis nutzt einen zertifizierten Videodienstanbieter. Unabhängige Stellen prüfen, ob er die Anforderungen der Anlage 31b an IT-Sicherheit und Datenschutz erfüllt. Die KBV veröffentlicht eine Liste dieser Dienste.
  • Die Verbindung ist während der gesamten Übertragung Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
  • Die Videosprechstunde ist werbefrei.
  • Sie geben vorher Ihre Einwilligung, und Ihr Klarname ist für die Praxis erkennbar.
  • Die Sprechstunde muss vertraulich und störungsfrei verlaufen, in Räumen, die Privatsphäre bieten. Das gilt für die Praxis und sinngemäß auch für Sie: Wählen Sie einen Raum, in dem niemand mithört, den Sie nicht dabeihaben wollen.
  • Ärztinnen und Ärzte, die im Homeoffice Videosprechstunden anbieten, brauchen einen geschlossenen Raum und Zugriff auf ihre elektronische Dokumentation.

Plattformen, Apps und Online-Arztpraxen

Außerhalb der Kassen-Videosprechstunde gelten die allgemeinen Regeln der DSGVO, aber nicht automatisch die Zertifizierung nach Anlage 31b. Prüfen Sie deshalb:

  • Wer ist verantwortlich? Name, Sitz und Kontakt stehen im Impressum und in der Datenschutzerklärung.
  • Wo werden die Daten verarbeitet? In der EU gilt die DSGVO unmittelbar.
  • Welche Daten werden gespeichert, etwa Chatverläufe, Fotos, Fragebögen, und wie lange?
  • Werden Daten weitergegeben, etwa an Apotheken, Versicherungen oder für Werbung?
  • Können Sie Ihre Daten einsehen und löschen lassen?

Wie umstritten der Umgang mit Patientendaten bei Plattformen sein kann, zeigt ein Urteil des Sozialgerichts München vom 29. April 2025: Laut Leitsätzen verstößt die Führung einer zentralen digitalen Patientenakte durch einen Videodienstanbieter gegen die Dokumentationspflicht der behandelnden Ärzte (S 56 KA 325/22, im Juli 2025 nicht rechtskräftig; gesetze-bayern.de). Mehr dazu im Artikel Telemedizin-Anbieter im Überblick.

Apps auf Rezept (DiGA)

Hersteller einer DiGA müssen dem BfArM für die Aufnahme ins Verzeichnis nachweisen, dass die Anwendung den Anforderungen an den Datenschutz entspricht und die Datensicherheit nach dem Stand der Technik gewährleistet (§ 139e SGB V). Für gewöhnliche Gesundheits-Apps ohne diese Aufnahme gilt das nicht. Mehr im Artikel Apps auf Rezept.

Elektronische Patientenakte

In der ePA bestimmen Sie, wer zugreifen darf. Praxen haben nach dem Stecken der Gesundheitskarte standardmäßig 90 Tage Zugriff, Apotheken 3 Tage. Krankenkassen und ihre Ombudsstellen können die Inhalte nicht einsehen. Sie können einzelne Dokumente verbergen, löschen oder einzelne Praxen ausschließen (BMG). Details im Artikel ePA für alle.

Was Sie selbst tun können

  • Ruhiger, privater Raum für die Videosprechstunde, Kopfhörer bei Mitbewohnern.
  • Eigenes Gerät und eigenes WLAN statt öffentlicher Computer oder offener Netze.
  • Links nur aus sicherer Quelle: Den Zugang schickt Ihnen die Praxis oder ihr Videodienst. Seien Sie vorsichtig bei unerwarteten Links per SMS oder E-Mail.
  • Apps aktuell halten und nur aus den offiziellen App-Stores laden.
  • App-Berechtigungen prüfen: Wie Sie auf einem Android-Handy Kamera, Mikrofon und Standort nur den Apps erlauben, die sie brauchen, zeigt unsere Schwesterseite in der Anleitung Android-Datenschutz-Einstellungen optimieren.
  • Sparsam teilen: Fotos und Dokumente nur über die Plattform der Praxis senden, nicht über Messenger.
  • Auskunft verlangen: Wenn Sie wissen möchten, was ein Anbieter über Sie gespeichert hat, schreiben Sie ihm unter Berufung auf Art. 15 DSGVO.

Bei Beschwerden über den Umgang mit Ihren Daten sind die Datenschutzbeauftragten der Länder zuständig; bei Ärztinnen und Ärzten auch die Landesärztekammer.

Quellen

Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ist eine Videosprechstunde datenschutzrechtlich sicher?

Bei Kassenpraxen gelten feste Regeln: Sie müssen einen zertifizierten Videodienst nutzen, der Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz erfüllt, die Verbindung muss während der gesamten Übertragung Ende-zu-Ende-verschlüsselt sein, und die Videosprechstunde muss werbefrei sein. Sie geben vorher Ihre Einwilligung. Bei anderen Anbietern sollten Sie die Datenschutzerklärung prüfen.

Gilt die ärztliche Schweigepflicht auch per Video?

Ja. Wer als Ärztin oder Arzt ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart, das ihm in dieser Eigenschaft anvertraut wurde, macht sich nach § 203 Strafgesetzbuch strafbar. Das gilt unabhängig davon, ob die Behandlung in der Praxis oder per Video stattfindet.

Darf ich die Videosprechstunde aufzeichnen?

Fragen Sie vorher die Ärztin oder den Arzt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangt, dass die Videosprechstunde vertraulich und störungsfrei verläuft wie eine normale Sprechstunde. Wer sich Notizen machen will, kann das jederzeit tun; viele Praxen stellen auf Wunsch auch einen Arztbrief aus.

Welche Rechte habe ich an meinen Gesundheitsdaten?

Sie können Einsicht in Ihre vollständige Behandlungsakte verlangen und Kopien bekommen (§ 630g BGB). Nach Art. 15 DSGVO haben Sie gegenüber jedem Anbieter ein Recht auf Auskunft, ob und welche Daten über Sie verarbeitet werden. In der elektronischen Patientenakte bestimmen Sie selbst, wer zugreifen darf.

Worauf achte ich bei Gesundheits-Apps und Plattformen?

Ob es eine zugelassene App auf Rezept (DiGA) ist, für die der Hersteller Datenschutz und Datensicherheit gegenüber dem BfArM nachweisen musste; wer der Anbieter ist und wo er sitzt; welche Daten die App speichert und ob sie weitergegeben werden; ob Sie Ihre Daten löschen lassen können.